Begegnung mit dem Suonenwärter – Christophe Hugenin
02 / 06 / 2026
Die tägliche Pflege eines empfindlichen Ökosystems
Die Suone von Trient wird täglich von einem Team aus vier Wächtern gepflegt, darunter Christophe Hughenin, der diese Aufgabe seit fünf Jahren ausübt. Zwischen dem 1. Juni und dem 15. September begehen sie jeden Tag die 3,5 km lange Strecke, um ihre einwandfreie Funktion sicherzustellen. „Es ist obligatorisch, die gesamte Suone jeden Tag zu kontrollieren“, erklärt er. Ihre Arbeit verbindet Unterhalt und Überwachung: Steine entfernen, den Wasserfluss kontrollieren, die Ufer befestigen und rasch eingreifen, um Schäden weiter unten zu vermeiden, insbesondere an der Forclaz-Strasse.
Die Suone ist ein besonders empfindliches künstliches Bauwerk. Mit einem sehr geringen Gefälle von durchschnittlich 1,5 % entlang der Strecke folgt das Wasser nicht seinem natürlichen Lauf und muss ständig geleitet werden. „Wenn man sie nicht unterhält, kann sie nicht funktionieren“, fasst Christophe Hughenin zusammen. Die Rolle des Suonenwächters beruht daher auf Beobachtung und Voraussicht: Schwachstellen erkennen, das Verhalten des Wassers verstehen und eingreifen, bevor sich Probleme verschärfen. „Ein Suonenwächter muss aufmerksam sein, auf Details achten und intelligent mit dem Gelände arbeiten“, betont er.
Respektvolle und gemeinschaftliche Unterhaltsmethoden
Zum Unterhalt gehört auch das Mähen, das Christophe Hughenin grösstenteils mit der Sense ausführt. Diese Wahl ermöglicht es, die Wurzeln zu erhalten, die die Ufer stabilisieren, und die Auswirkungen auf die Tierwelt, insbesondere auf Frösche, zu begrenzen. „Der Fadenmäher ist zu aggressiv, während man mit der Sense die Wurzeln erhält und die Ufer stärkt“, erklärt er. Gelegentlich entnommene Grasnarben werden ebenfalls wiederverwendet, um bestimmte Bereiche zu festigen – im Sinne einer nachhaltigen, an das Gelände angepassten Bewirtschaftung.
Die Wächter arbeiten mit den Gemeinden Trient und Martigny-Combe sowie mit dem Verein Chez Paou zusammen, der bei den Frühjahrsreinigungen mitwirkt. Diese Etappe ist entscheidend, um die Suone nach dem Winter mit Steinschlägen und Lawinen wieder in einen guten Zustand zu bringen. Die Suone bleibt zudem ein Nutzbauwerk: „Ursprünglich ist es ein Bewässerungssystem, das von unseren Vorfahren gebaut wurde“, erinnert er. Es wird auch heute noch genutzt, vor allem in Trockenperioden, um die Gemeinde Martigny-Combe und die Alp La Forclaz zu bewässern.
Touristische Nutzung und Sensibilisierung
Die touristische Nutzung stellt eine wichtige Herausforderung dar. Jedes Jahr begehen rund 40'000 Besucherinnen und Besucher diesen Weg. Auch wenn sich die Mehrheit respektvoll verhält, schwächen gewisse Gesten das Bauwerk. „Die Leute spielen mit der Suone, ohne sich immer ihrer Fragilität bewusst zu sein“, beobachtet Christophe Hughenin. Steine zu verschieben, kleine Dämme zu bauen oder mit Wanderstöcken auf die Ufer zu treten, kann das Gleichgewicht des Standorts stören. Hinzu kommt die natürliche Abnutzung durch die vielen Durchgänge.
Sensibilisierung bleibt daher unerlässlich. „Spielen Sie, aber seien Sie sich der Auswirkungen bewusst und hinterlassen Sie den Ort vor allem so, wie Sie ihn vorgefunden haben“, betont er. Die Suone zu bewahren bedeutet zu verstehen, dass es sich um ein empfindliches Ökosystem handelt, das täglich gepflegt wird. Hinter diesem schattigen und ebenen Spazierweg, der beim Publikum sehr beliebt ist, verbirgt sich eine konstante Arbeit zur Erhaltung des Kulturerbes.